Antizionismus von links: Vom Antizionismus zum „jüdischen Faschismus“

Zur Entwicklung des „Antizionismus“ in der KPD der Weimarer Republik, 1925-1933
Vortrag und Diskussion mit Olaf Kistenmacher

Ende der 1940er-Jahre kam es in der Sowjetunion, in der CSR und DDR zu „antizionistischen“ Verfolgungswellen und Morden, in denen Jüdinnen und Juden unterstellt wurde, sie würden „für den Imperialismus“ arbeiten. Um die antisemitische Ausrichtung der Verfolgung nicht zu offensichtlich werden zu lassen, wurden sie meistens nicht als „Juden“, sondern als „Zionisten“ bezeichnet. „Zionist“ zu sein, bedeutete aber, im Verborgenen gegen den Sozialismus zu arbeiten, auf Seiten der Westmächte zu stehen und „Jude“ zu sein.

Ein Blick zurück in die 1920er-Jahre zeigt, dass diese Bilder bereits zwanzig Jahre vor der Staatsgründung Israels in der Tageszeitung der KPD, der „Roten Fahne“, geprägt wurden: „Juden“ galten stets als Kapitalisten, als reich und mächtig und habgierig. Folglich galt eine jüdische Bewegung wie der Zionismus als Vorstoß des Kapitalismus und Imperialismus. Die jüdischen Siederinnen und Siedler und die bestehenden jüdischen Gemeinden im britischen Mandatsgebiet Palästina wurden ausschließlich als Feinde der werktätigen arabischen Völker dargestellt, als „Agenten des Imperialismus“, als „Arbeiterfeinde“ und als „jüdisch-faschistischer Terror“. Der „jüdische Faschismus“ wurde mit den Nationalsozialisten gleichgesetzt, die am Ende der Weimarer Republik Kommunistinnen und Kommunisten auf der Straße ermordeten.

Wenn heute Israel mit Nazideutschland gleichgesetzt wird, wenn vom „israelischen Faschismus“ die Rede ist oder Israel zur Inkarnation des Imperialismus erklärt wird, dann wird das meistens mit der aktuellen Politik der Likud-Partei ‚begründet’. Der Blick zurück zeigt aber, dass das Urteil über Israel in der KPD bereits gefällt war, bevor es den Staat Israel gab.

Olaf Kistenmacher ist Historiker und betreut die Sendereihe „Antisemitismus von links“ beim freien Sender Kombinat (FSK) Hamburg.

Donnerstag, 17. März 2005, 19:30 Uhr
Im Raum C der Studiobühne Köln.
1. Stock, beim Unikum. Universitätsstraße 16a (U 8/9 Universität)

Präsentiert von Casablanca.