Seminare zur Marxschen Kritik der politischen Ökonomie – Begriffsklärung, Kritik und Diskussion. III

12.02.2005., 14:00: Geld

Seminar mit Fabian Kettner (Rote Ruhr Universität)

Im Raum C der Studiobühne
1. Stock, beim Unikum. Universitätsstraße 16a (U 8/9 Universität)

Marx’ Kritik der politischen Ökonomie enthält u.a. eine Kritik an der Wert- und Geldtheorie der bürgerlichen Nationalökonomen seiner Zeit (und, en passant, auch der nachfolgenden). Marx setzte sich aber auch mit den politökonomischen Theorien revolutionärer Bewegungen seiner Zeit auseinander; – so z.B. mit den Konzepten von Pierre-Joseph Proudhon, einem der großen und immer noch bemühten Urväter des Anarchismus. Dessen Geldkritik ist die Urform des sog. ’verkürzten Antikapitalismus’, wie er sich über Silvio Gesell bis in die Gegenwart, bei Tauschringen und no globals durchgehalten hat. Kritisiert wird das Geld, nicht aber die gesellschaftlichen Grundlagen, die das Geld hervorbringen und notwendig machen. Weil man diese nicht erkennt, bleiben diese nicht nur unangetastet, sondern werden ideologisch noch bekräftigt und würden politisch-praktisch zum Schlimmeren verändert, wenn man sie denn ließe.
Diese Geldkritik weiß nicht um den inneren Zusammenhang von Geld einerseits und Kapitalverhältnis, Ausbeutung und Klassengesellschaft andererseits. Geld bleibt der Produktion von Waren und dem Tausch von Werten äußerlich; – wie in der bürgerlichen Nationalökonomie oder auch der marxistischen Wirtschaftstheorie seit jeher auch. Diesen Zusammenhang richtig zu fassen, ist keine rein akademische Frage, keine Frage nur der richtigen Theorie. Kann eine Geldkritik dies nicht, ist sie nicht nur falsche, resp. keine Kritik, sie verfehlt nicht nur die Gesellschaft, die sie zurecht (aber am falschen Punkt) verändern will, – sie wird, gelangt sie denn zu einem utopischen Gegenentwurf, reaktionär und repressiv.
Im Alltagsbewusstsein neigt die Geldkritik in ihren diversen Spielarten von Geld vs. Warenproduktion, Zins vs. Handel, Finanzkapital vs. produktives Kapital, Finanzmärkte vs. Volkswirtschaft gerne zu Antisemitismus oder seinen Vorformen. Und so weisen die Protagonisten der Geldkritik – schon rein historisch-empirisch betrachtet – eine auffällige Nähe zum Antisemitismus (Proudhon) und Faschismus (Gesell) auf.

Dass dies nicht von ungefähr kommt und wie der Bogen von werttheoretischen Feinheiten zur barbarischen Kritik der bürgerlichen Gesellschaft zu spannen ist (und wie nicht!), darum soll es in diesem Seminar gehen.

Textgrundlage:
MEW 4, 91-98 und 104-108
MEW 42, 58-63, 68-75 und 87-89

Weitere Literaturempfehlungen zum Thema:

Helmut Brentel: Soziale Form und ökonomisches Objekt. Studien zum Gegenstands- und Methodenverständnis der Kritik der politischen Ökonomie. Opladen: Westdt. Verlag, 1989 S. 187-242 (= Kapitel V: Der Schein der einfachen Zirkulation: Pierre Joseph Proudhon)

Nadja Rakowitz: Einfache Warenproduktion. Ideal und Ideologie. Freiburg i.Br.: ca ira, 2000 S. 53-76 (= 2. Proudhons Utopie von Freiheit und Gleichheit) S. 77-87 (= 3. Proudhon-Kritik am Anfang der Grundrisse) S. 132-144 (= Exkurs II: Religion des Vulgären – Silvio Gesells „Natürliche Wirtschaftsordnung“)

Hans G. Helms: Die Ideologie der anonymen Gesellschaft. Max Stirners ‚Einziger‘ und der Fortschritt des demokratischen Selbstbewußtseins vom Vormärz bis zur Bundesrepublik. Köln: M DuMont Schauberg, 1966 S. 427-472 (= XI. Entfaltung des faschistischen Bewußtseins (1925-1932))

Peter Bierl: Tauschringe, Schwundgeld und Subsistenz – Obskuranten und Esoteriker in der globalisierungskritischen Bewegung. in: AStA der Geschwister Scholl-Universität München (Hg.): Spiel ohne Grenzen. Zu- und Gegenstand der Antglobalisierungsbewegung. Berlin: Verbrecher, 2004. S. 229-258

Komplette Textgrundlage sowie weitere Infos zu den jeweiligen Referaten werden demnächst auf der Seite www.gruppe-casablanca.tk veröffentlicht.

Anmeldung:
- Die Teilnahmegebühr beträgt 10 Euro pro Seminar, Getränke und Verpflegung sind enthalten.
- Anmeldung unter: gruppe_casablanca@yahoo.de (bitte baldestmöglich, da die TeilnehmerInnenzahl begrenzt ist).