Seminare zur Marxschen Kritik der politischen Ökonomie – Begriffsklärung, Kritik und Diskussion. II

29.01.05., 14:00: Staat

Seminar mit Ingo Elbe (Rote Ruhr Universität)

Im Raum C der Studiobühne
1. Stock, beim Unikum. Universitätsstraße 16a (U 8/9 Universität)

„Der politische Verstand ist eben politischer Verstand, weil er innerhalb der Schranken der Politik denkt. Je geschärfter, je lebendiger, desto unfähiger ist er zur Auffassung sozialer Gebrechen.“ (Karl Marx)

Appelle an den ,Vater Staat‘, die Wirtschaft doch an die Kandare zu nehmen und damit ,soziale Gerechtigkeit‘ walten zu lassen, erfreuen sich gerade in der Linken nicht erst in neoliberalen Zeiten großer Beliebtheit. Die unbedingte Loyalität, die noch die Aufgeklärtesten den Formen Staat und Recht entgegenbringen, verblüfft dabei stets aufs neue. Hier bekommt radikale Staatskritik den Zorn des gesunden politischen Menschenverstands zu spüren: wo Menschen zusammenleben, da muss die Zwangsgewalt von Staaten herrschen, wer Gegenteiliges behauptet, gilt als unzurechnungsfähig. Die Form Staat, in deren Apologie sich Nazis und SozialdemokratInnen, evangelische GlobalisierungsgegnerInnen und Altstalinisten einig sind, darf allerdings ebenso wenig in bloß moralischer Manier als Exponent des ,Schweinesystems‘ abqualifiziert werden. Entgegen einer solchen „Kritik, welche die Gegenwart zu be- und verurteilen, aber nicht zu begreifen weiß“ (Marx) und wie sie noch das ebenso sympathische wie hilflose Grundrepertoire jeder AnarchistIn ausmacht, sollte es zuerst darauf ankommen, zu erklären, was der (bürgerliche) Staat überhaupt ist, warum kapitalistische Vergesellschaftung, die in der Regel nicht mehr durch direkt gewaltvermittelte, sondern wesentlich sachlich-tauschvermittelte Aneignungsprozesse gekennzeichnet ist, ein solches nunmehr als ,politische Sphäre‘ ausdifferenziertes Zwangsverhältnis noch benötigt, bzw. es permanent reproduziert, wo die Grenzen staatlicher Eingriffskompetenzen in die Ökonomie liegen, warum das Gewaltmonopol den BürgerInnen stets noch als legitimes erscheint usw. Praktische Relevanz erlangt die Erörterung solch ,abstrakter Fragen‘ u.a. durch die daraus folgende Kritik der Auffassungen, gesellschaftliche Emanzipation sei von einem ,Politikwechsel‘ zu erwarten, der Staat sei im Grunde neutrales Instrument sozialer Gruppen oder könne gar beliebig die Ökonomie gestalten – es sei also alles eine Frage des ,politischen Willens‘.

Das Seminar soll zentrale Positionen und konkurrierende Paradigmen marxistischer Staatskritik – von Lenin über die sog. Staatsableitungsdebatte bis hin zu den Ansätzen von Gramsci und Poulantzas – behandeln.

Textgrundlage: Michael Heinrich, Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung. Kapitel 11.

Komplette Textgrundlage sowie weitere Infos zu den jeweiligen Referaten werden demnächst auf der Seite www.gruppe-casablanca.tk veröffentlicht.

Anmeldung:
- Die Teilnahmegebühr beträgt 10 Euro pro Seminar, Getränke und Verpflegung sind enthalten.
- Anmeldung unter: gruppe_casablanca@yahoo.de (bitte baldestmöglich, da die TeilnehmerInnenzahl begrenzt ist).